#MOBILITÄTSMEINUNGEN III

pfeil.JPG In unregelmäßigen Abständen soll es an dieser Stelle immer wieder Beobachtungen und Meinungen zur Mobilität in Osnabrück geben. Heute richtet Prof. Monheim über ein Jahr nachdem er auf dem ersten #MOBILITÄSFORUM I referiert hat, seinen fachkundigen Blick auf Osnabrück und gibt seine Einschätzung.

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Von außen richte ich meinen geschulten Fachblick auf Osnabrück und sehe Licht und Schatten. Es gibt einige positive Dinge, die ich nicht unerwähnt lassen möchte. Aber ich will auch ein paar kritische Punkte ansprechen, wo ich großen Handlungsbedarf sehe.

Osnabrück besitzt eine ziemlich große Fußgängerzone, die allerdings noch Lücken aufweist. Vor allem am Rand sollte sie durch mehr Verkehrsberuhigungsmaßnahmen ergänzt werden. Es gibt ein funktionierendes Regionalbahnsystem, das einen Teil der Regionalverkehre ins Oberzentrum ganz gut bedient. Dennoch sollten im Umland weitere neue Haltepunkte vorgesehen werden, um allmählich aus den Regionalbahnen eine Art kleines S-Bahnsystem zu entwickeln, das im Aktionsradius weniger als die bisherige Regionalbahn abdeckt, dafür aber im Takt und der Erschließungswirkung attraktiver wird. Darauf müssten dann die regionalen und lokalen Bussysteme des Umlandes (davon gibt es noch viel zu wenige) im ITF Rahmen abgestimmt werden. Die Stadt Osnabrück verfügt derweil über ein Bussystem, das sicher überdurchschnittlich im interkommunalen Bereich hinsichtlich Netz- und Taktdichte ist, aber trotzdem noch weiterentwickelt werden sollte. Hier sollten für mehr Kundennähe mehr Midi- und Minibusse gefahren werden, damit man mitten in die Quartiere und Dörfer des Umlandes fahren kann, gerne auch mit modernen Elektrobussen und autonomen Bussen. Ebenfalls ist mir die Vielzahl an Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in den Quartieren aufgefallen, leider wurden aus diesen bislang noch keine echten sicheren und attraktiven Fuß- und Radverkehrsnetze geknüpft.

In der Kernstadt braucht es eine kritische Überprüfung der Dimensionierung der bestehenden Hauptverkehrsstraßen im Hinblick auf ihre Breite und Gestaltung der Fahrbahnen. Mit Hilfe von Schmalfahrspuren und Kombispuren könnte hier sehr viel Platz für positive Akzente gewonnen werden, je nach Umfeld mal mehr Alleepflanzungen, breitere Gehwege (Boulevard) und breitere Radwege (Protected Bike Lanes). Vor allem die großen Kreuzungen sind bislang städtebaulich schlecht integriert und sollten mehr Platzcharakter bekommen und weniger wie eine komplizierte Verkehrsmaschine wirken, vor der Fußgänger und Radfahrer Angst haben. Eine vergleichbare Herausforderung stellt sich auch für die vielen Ortsdurchfahrten der Umlandgemeinden.

Weil es schon ein relativ gutes Angebot im Umweltverbund gibt, braucht Osnabrück eine massive Bemühung um mehr Direkt- und Dialogmarketing. Die bestehenden Qualitäten müssen von Haushalt zu Haushalt und Betrieb zu Betrieb durch „Klinkenputzen“ (teilweise auch digital unterstützt) verkauft werden, immer als Maßanzug für die jeweils ermittelten Verkehrsbedürfnisse der Personen und Betriebe. Parallel dazu muss man die Stärken und Schwächen des Bestandes offensiv in vielen Medienbeiträgen und Fachausstellungen, jeweils runtergebrochen auf die Quartiersebene in der Kernstadt und die Umlandortsebene in der Region thematisieren.

Auch das betriebliche Mobilitätsmanagement muss noch engagierter und mit qualifiziertem Personal betrieben werden, als Daueraufgabe der Stadt. Mit Freude habe ich vernommen, dass es seit diesem Jahr nun eine Planstelle Mobilitätsmanagement im Projekt MOBIL>E ZUKUNFT gibt. Der handelnden Person wünsche ich viel Erfolg!

Osnabrück kann wieder Straßenbahnstadt werden, wenn es sich an den vielen guten französischen Beispielen und deutschen Stadt-Umlandbahnen (Regio-Tram Kassel, Karlsruher Modell bis Heilbronn und Baden-Baden und Bretten, Chemnitz, Saarbrücken, Bremen) orientiert. Das kostet zugegeben Einiges, aber bringt auch sehr viel Entlastung.

Insgesamt sollte man in der Stadt Osnabrück mehr über Potenziale und weniger über Grenzen debattieren. Und braucht motivierende Inspirationen durch Exkursionen für alle Stakeholder und vor allem Skeptiker in Politik und Wirtschaft sowie Verbänden zu vorbildlichen Beispielstädten als Lernimpuls.

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Categories: #MOBILEZUKUNFT

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