#PIONIERARBEIT: PARKLET

pfeil.JPG Das Parklet in der Dielinger Straße ist ein von MOBILE ZUKUNFT initiiertes Patenprojekt. In der Detailbetrachtung kann der Entstehungsprozess des Parklets als reine Pionierarbeit gewertet werden, da etwas derartiges in der Friedensstadt Osnabrück bisher niemals versucht worden ist. Projekt- und Pionierarbeit kennzeichnen sich dadurch aus, dass deren Ergebnis offen ist und von temporären Herausforderungen begleitet werden. An dieser Stelle möchten wir einen Rückblick auf den Entstehungsprozess geben und einen Ausblick auf die zukünftige Installation.

Mit dem politischen Beschluss den jährlich stattfindenden Park(ing) Day auch in Osnabrück zu etablieren, ging der Beschluss zur Errichtung eines Parklets in der Dielinger Straße einher. Zu Evaluationszwecken entschied sich das Projekt MOBILE ZUKUNFT das Parklet zunächst niederschwellig und kostenfrei herzustellen. Hierzu wurden Paletten vom stadteigenen Bauhof verwendet. Mit Kunstrasen versehen wurde diese provisorische Installation am Park(ing) Day 2017 eröffnet. Am Tag selbst und in den Wochen danach konnten wir eine wiederkehrende Nutzung des Parklets beobachten, die witterungsbedingt über die Wintermonate abnahm. Nachdem dieses Nutzungsverhalten im Frühjahr 2018 wieder einkehrte, fiel das Parklet kurz darauf Vandalismus zum Opfer.

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Das provisorische Parklet am Park(ing) Day 2017

 

pfeil.JPG Aus der Erfahrung des durch Vandalismus zerstörten Parklets zog das Projekt das Fazit, dass eine dauerhafte Installation durch aufgeladene Bedeutungsschwere und ansprechende Gestaltung vor Vandalismus geschützt werden sollte. Dementsprechende Pläne wurden über eine handlungsübliche Marktschau in die freie Wirtschaft getragen. Nachdem viele am Markt verfügbare Firmen schlichtweg keine Zeit für einen Auftrag dieser geringen Größe hatten, verzögerte sich der Prozess erneut. Mit der Firma nt design konnte schließlich ein lokales Unternehmen für den Auftrag gewonnen werden.

In Zusammenarbeit mit dem Felix-Nussbaum-Haus, der Firma nt design und dem Projekt MOBILE ZUKUNFT entstand dann die Idee, das Parklet als „Brückenschlag“ zum in Sichtweite befindlichen Felix-Nussbaum-Haus zu nutzen. Dabei wird es sich um die Kunstinstallation „Morari“ der Firma nt design mit Fahrradanlehnbügeln, Sitzmöglichkeiten und Stelen handeln, die durch Gestaltung, Anordnung und Formsprache sowie der Materialienauswahl mit dem Museum korrespondieren wird. Die vorgesehenen Stelen werden des Weiteren als Leit- und Informationssystem des Felix-Nussbaum-Haus dienen. Durch den Bezug zum Erstling von Daniel Liebeskind und die Bedeutung des Malers Felix Nussbaum in der Öffentlichkeit erhofft sich das Projekt MOBILE ZUKUNFT eine erweiterte Tragweite und Bedeutungsschwere der Situation, die zum einen informativen Mehrwert bietet, zum anderen aber auch Vandalismus auf Grund sozialer Kontrolle verhindert. Die Kosten der gesamten Installation werden mit 12.300 Euro veranschlagt.

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Entwurfsskizze des zukünftigen Parklets.

pfeil.JPG Warum verzögert sich der Prozess immer wieder?

Zwei Faktoren haben bei der Verzögerung des Parklets wesentliche Rollen gespielt: Zum einen bietet das deutsche Straßen- und Verkehrsrecht derzeit keine Möglichkeit, kleinteilige Verkehrsbereiche kurzfristig flexibel einem anderem Zweck zukommen zu lassen. Um dieses Ziel zu verfolgen, hätte der gesamte Straßenzug verändert werden müssen. Um die restlichen Parkplatzflächen jedoch zu erhalten, sind die für das Parklet vorgesehenen Stellplätze der Parkraumbewirtschaftung entzogen worden. Hierdurch bedingt konnten diese allerdings auch nicht kurzfristig wieder freigemacht werden und sind in Folge dessen vorübergehend abgesperrt worden. Das Projekttandem musste daraufhin in weitreichender Abstimmungsarbeit feststellen, dass es sehr zeitintensiv ist, kleinteilige Strukturveränderungen, die sich aus dem zukünftigen Mobilitätswandel ergeben, kurzfristig zu ermöglichen (konservatives Straßenrecht versus innovative Stadtentwicklung).

Ein weiterer großer Faktor in der Verzögerung stellt die Lieferbarkeit der endgültigen Installation dar, da diese wiederum von einer eigenen Liefer- und Produktionskette abhängig ist. Mittlerweile kann mit der Eröffnung des Parklets in der 40. Kalenderwoche gerechnet werden.

„Rückblickend ist der gesamte Prozess schlichtweg harte Pionierarbeit gewesen, da ein derartig innovatives Projekt in Osnabrück noch niemals versucht worden ist. Es fehlte hier schlicht und ergreifend an verlässlichen Erfahrungswerten auf die wir uns stützen konnten, da wir diese erst mühselig und zeitintensiv selbst sammeln mussten. In solch einem Prozess ohne Blaupause und Handlungsempfehlung kommt es dann ganz automatisch zu Reibungsverlusten sowie positiven und negativen Erfahrungen. Für mich persönlich ist das jedoch Reiz und Herausforderung von Projektarbeit. Die öffentliche Kritik über den Fortschritt kann ich dabei mehr als nachvollziehen.

Mit der Übernahme des Projekts im Herbst 2017 war es der kommunizierte Plan ein Parklet im Frühsommer 2018 zu eröffnen. Die gemachten Erfahrungen haben dann neben den zeitweise schwierigen Umständen jedoch dazu geführt, das Projekt nochmals auf anderem Wege anzugehen und neu zu denken. Ich bin nun jedoch der festen Überzeugung, dass das zukünftige Endergebnis überzeugt und sich das lange Warten am Ende gelohnt haben wird.“

Nicolai Schlepphorst

Categories: #PATENPROJEKTE

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